Bau einer Gambe nach Ganassi

Veröffentlicht: 03.03.2014     Autor/in: Günter Mark

Abstract

Erläuterung der Schritte für den Bau einer Viola da gamba nach einem von Silvestro Ganassi abgeleiteten Modell.

Forschungsprojekt

Transformationen instrumentaler Klanglichkeit

Zitierweise

Günter Mark, "Bau einer Gambe nach Ganassi". Forschungsportal Schola Cantorum Basiliensis, 2014.
https://forschung.schola-cantorum-basiliensis.ch/de/forschung/fruehe-streichinstrumente-1/mark-bau-einer-gambe-nach-ganassi.html (Abgerufen am TT MM JJJJ)

Lizenz

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Der Wirbelkasten und die Schnecke aber wurden schon fertig gemacht. Die Vorgehensweise unterschied sich dabei nicht vom Stechen von Geigenschnecken. Auch hier haben wir eine nicht durchbrochene, hinterschnittene Schnecke. Die Ohren aber erinnern an ein aufgerolltes Stück Pergament. Den Hals befestigte ich auf der Form und mittels eines Keils stellte ich die genaue Halsneigung ein.

Die Zargen wären stark genug, dass sie an den Ecken keine Unterstützung beim Verleimen bräuchten, aber aus Gewohnheit habe ich für das Leimen Zulagen, geformt wie Eckklötze, verwendet. Im Instrument selbst gibt es keine Eckklötze, die Ecken sind innen nur mit Leinwandstreifen gesichert, die gleich beim Verleimen der Ecken mit eingelegt wurden. Am Unterklotz wurden die Zargen seitlich angeleimt und der gesamte Zargenkranz mit Papierzwischenlage an der Form fixiert.

Vor dem Aufleimen des Bodens habe ich die Eigenfrequenzen und die zugehörigen Chladni-Figuren des freien Bodens gemessen. Ich dachte, das könnte helfen, die Holzparameter für die Simulation abzugleichen. Die gemessenen Frequenzen sind: 39 Hz, 102 Hz, 184 Hz, 226 Hz, 339 Hz, 419 Hz und 539 Hz.

Um die Grobarbeit innen zu erleichtern, habe ich entlang der Stärkelinien Löcher gebohrt, ca. 1 mm über dem Endmaß.

Für die Feinarbeit verwende ich einen Schlagzirkel. Mit Wölbungshobeln wurde die Decke an den Stärkelinien auf die genaue Stärke gebracht und auf einen gleichmäßigen Übergang dazwischen geachtet. Die Decke ist im Randbereich ca. 3.5 mm stark und 7.0 mm in dem diagonal verlaufenden Bereich in der Mitte.

Ich hätte mich in jedem Fall an die Plan-Vorgaben gehalten, war aber doch erleichtert, dass die freie Decke beim Abklopfen sehr vielversprechend klang. Auch bei der freien Decke habe ich die Eigenfrequenzen gemessen und die Chladnimuster aufgezeichnet. Die gemessenen Eigenfrequenzen waren 50 Hz, 92 Hz, 160 Hz, 224 Hz und 328 Hz.

Die Decke erhielt nach dem Aufleimen dreifache Adern aus Zwetschgenholz.